Für Sie persönlich

 

 

Pfarrer Elmar Croner
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Ich muss gestehen, die Bibel hat auch für mich immer wieder unbekannte Worte auf Lager, die aber voll den Geist der Heiligen Schrift wiedergeben:
So lesen wir im Buch der Sprüche: „Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen.“
Worte aus dem Alten Testament, die nahtlos auch die Verkündigung Jesu Christi wiedergeben. Damals hatten alleinstehende Kranke, Witwen und Waise ein erbärmliches Los, ihnen blieb oft nur das Betteln oder die Prostitution. Die Schriftpropheten äußerten häufig harte Kritik an der Unbarmherzigkeit der Frommen, die zwar fleißig beteten und opferten, aber die Armen ignorierten. Mitleid und Barmherzigkeit stehen neben dem Vertrauen auf Gottes Güte im Mittelpunkt unseres christlichen Glaubens.
Für die Schwachen eintreten – das äußert sich in den Kirchen seit nahezu 200 Jahren in der Arbeit der Diakonie und Caritas, der Organisation „Brot für die Welt“ oder „Miserior“ und nicht zuletzt in der Unterstützung von Flüchtlingen.
Häufig wird diese Botschaft aber nicht so gern gehört und vor allem die Volkskirche als zu „links“ eingestellt kritisiert. Oft heißt es, Gottesdienste müssen in erster Linie der persönlichen Ermutigung und Glaubenszuversicht dienen, anstatt von kritischen Aufrufen zur Nächstenliebe oder gar zur Buße. Ich denke, beides ist bitter nötig, so wie es Jesus auch getan hat.
In der Politik wird heute noch immer in den längst überkommenen Kategorien von „Rechts“ und „Links“ gedacht. „Rechts“ stehe für Eigennutz und unseligen Nationalismus, „Links“ für Barmherzigkeit und Solidarität mit den Schwachen. So betrachtet waren die Propheten und Jesus „links“ – ohne Zweifel. Aber sie kannten diese Klischees aus dem späten 19. Jahrhundert natürlich nicht, sondern predigten im Auftrag unseres Schöpfers, der jeden Menschen liebt, den er geschaffen hat. Er erwartet deshalb auch von uns eine gewisse tätige Solidarität mit denen, die es im Leben einfach nicht so leicht haben. Das ist keinesfalls zu viel verlangt, im Gegenteil – Nächstenliebe bereichert unseren irdischen Lebenslauf ungemein.
Einen schönen und gesunden Frühling wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer

Elmar Croner